Acker als Lebensraum

Landwirtschaftlich genutzte Flächen bedecken rund die Hälfte der Landoberfläche Deutschlands. Wie diese Flächen bewirtschaftet werden, hat damit erheblichen Einfluss darauf, welche Pflanzen, Insekten, Vögel und Kleinsäuger dort leben können. Der Rückgang vieler Wildbienenarten, Feldvögel und Ackerbeikräuter steht in direktem Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten.

Was die Forschung zeigt

Mehrere Meta-Analysen, die Dutzende einzelner Studien zusammenfassen, kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Auf ökologisch bewirtschafteten Äckern und Wiesen finden sich im Durchschnitt deutlich mehr Tier- und Pflanzenarten als auf konventionell bewirtschafteten Vergleichsflächen. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei:

Das differenzierte Bild

Forscher weisen darauf hin, dass der positive Effekt nicht automatisch eintritt. Bio-Betriebe, die intensiv monokulturartig wirtschaften, können trotz des Verzichts auf synthetische Pestizide weniger Artenvielfalt aufweisen als strukturreiche konventionelle Betriebe mit Hecken, Blühstreifen und extensiven Wiesen. Die Bewirtschaftungsform allein erklärt also nicht alles.

Artenvielfalt entsteht durch eine Kombination aus anbautechnischen Entscheidungen, Landschaftsstruktur und Flächengröße. Das Bio-Label ist ein Indikator, aber kein Garant.

Landschaftsstruktur als Schlüsselfaktor

Hecken, Feldraine, Kleingewässer und extensiv genutzte Pufferstreifen bieten Rückzugsräume und Vernetzungskorridore für viele Arten. Diese Strukturen fehlen in ausgeräumten Agrarlandschaften, egal ob bio oder konventionell. In Regionen, in denen viele Bio-Betriebe gemeinsam wirtschaften, kann sich ein positiver Flächeneffekt ergeben, weil Pestizideintrag aus Nachbarflächen abnimmt.

Was das für den Einkauf bedeutet

Verbraucher, die gezielt Produkte aus Regionen mit hohem Ökolandbauanteil wählen oder auf Betriebe achten, die zusätzlich Naturschutzmaßnahmen umsetzen, können einen kleinen Beitrag leisten. Informationen dazu finden sich gelegentlich auf Produktbeschreibungen im Direktverkauf oder auf den Websites von Anbauverbänden, die detailliertere Umweltstandards veröffentlichen als das gesetzliche Mindestmaß verlangt.