Mehr als ein Trend
Saisonales Essen wird oft in einem Atemzug mit regionalem Einkauf genannt. Beide Konzepte sind eng verwandt, aber nicht identisch. Während Regionalität den geografischen Ursprung eines Lebensmittels beschreibt, bezieht sich Saisonalität auf den natürlichen Erntezeitraum. Wer beides verbindet, trifft Entscheidungen, die ökologisch und ernährungsphysiologisch gut begründbar sind.
Inhaltsstoffe verändern sich mit der Zeit
Lebensmittel, die zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden, enthalten oft höhere Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen als solche, die unreif gepflückt und während des Transports nachgereift werden. Das liegt daran, dass viele Nährstoffe erst in der letzten Reifephase am Strauch oder in der Erde gebildet werden. Besonders empfindlich gegenüber langer Lagerung sind wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C und Folsäure.
- Frische Erbsen verlieren innerhalb weniger Stunden nach der Ernte einen erheblichen Teil ihres Zuckers und ihrer Vitamine
- Tomaten reifen nach der Ernte zwar optisch nach, bilden dabei aber kaum noch Lycopin
- Lagergemüse wie Möhren oder Kohl schneidet bei längerer kühler Lagerung vergleichsweise gut ab
Ökologische Dimension
Außerhalb der natürlichen Saison müssen Lebensmittel entweder aus fernen Ländern importiert oder unter großem Energieaufwand in beheizten Gewächshäusern erzeugt werden. Beides hat ökologische Konsequenzen. Beheizte Gewächshäuser verbrauchen erhebliche Mengen Energie, während Flugtransporte besonders klimaschädlich sind. Schiffstransporte bei langen Importwegen verbrauchen zwar weniger Energie pro Kilogramm, benötigen aber oft zusätzliche Kühltechnik und lange Lagerzeiten.
Wer im Sommer Erdbeeren und im Winter Grünkohl bevorzugt, handelt in einem der ältesten Prinzipien menschlicher Ernährung: im Einklang mit der Natur zu essen.
Praktische Orientierung im Alltag
Saisonkalender, die nach Region und Monat aufgelistet sind, helfen bei der Orientierung. Sie sind in Buchform, als Poster oder digital verfügbar. Ein einfacher Hinweis: Wenn ein Gemüse auf dem Wochenmarkt aus der Region angeboten wird, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade Saison. Importware und lange Transportwege werden auf dem Wochenmarkt in der Regel seltener angeboten als im Supermarkt.
Saisonalität und Preis
Ein oft übersehener Vorteil saisonaler Lebensmittel ist der Preis. Wenn ein Produkt in großen Mengen geerntet wird, sinkt sein Marktpreis in der Regel. Wer saisonal einkauft, zahlt häufig weniger als für dasselbe Produkt außerhalb der Saison, das dann auf aufwändigem Weg beschafft werden musste.
