Der blinde Fleck beim Bio-Einkauf
Ein Bio-Apfel im Plastiknetz, Bioyoghurt im Einwegbecher, biologisch angebauter Salat in einer versiegelten Kunststoffschale: Diese Kombinationen sind im deutschen Lebensmittelhandel keine Seltenheit. Dabei konzentriert sich die öffentliche Debatte über Bio-Lebensmittel meist auf Anbauweise, Tierhaltung und Inhaltsstoffe. Die Verpackung bleibt häufig unbeachtet, obwohl sie erhebliche Ressourcen verbraucht und Abfall erzeugt.
Was die Verpackung mit der Ökobilanz macht
Eine vollständige Ökobilanz eines Lebensmittels umfasst alle Phasen von der Erzeugung über Verarbeitung und Transport bis zur Entsorgung. Die Verpackung kann dabei einen überraschend großen Anteil ausmachen, vor allem bei kleinen oder leichten Produkten, bei denen das Verhältnis von Verpackungsgewicht zu Produktgewicht ungünstig ist. Plastikverpackungen bestehen in der Regel aus fossilen Rohstoffen, verursachen bei der Herstellung Treibhausgase und landen häufig trotz Recyclingsystem als Abfall in der Umwelt.
- Nur ein Teil der in Deutschland gesammelten Kunststoffverpackungen wird tatsächlich werkstofflich recycelt
- Biologisch abbaubare Kunststoffe sind keine Universallösung, da sie spezielle Kompostierungsbedingungen erfordern
- Glasverpackungen sind wiederbefüllbar, aber schwerer und damit transportintensiver
- Karton und Papier sind bei bestimmten Produkten eine ressourcenschonende Option, wenn sie aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen stammen
Was gut gemeint oft nicht ist
Sogenannte Bioplastikverpackungen, die mit dem Hinweis auf pflanzliche Rohstoffe werben, werden von Experten kritisch bewertet. Sie sind in der Haushaltstonne nicht kompostierbar, können Recyclingkreisläufe stören und vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl. Wer Verpackungen wirklich bewerten möchte, sollte auf Mehrwegsysteme, minimale Verpackung oder gut etablierte Recyclingmaterialien achten.
Nachhaltiger Konsum endet nicht an der Ladentheke. Die Frage, was mit der Verpackung passiert, ist genauso relevant wie die Frage, wie das Produkt erzeugt wurde.
Unverpackt als Alternative
Unverpacktläden und Wochenmärkte bieten für viele Grundlebensmittel die Möglichkeit, ganz auf Verpackung zu verzichten. Mitgebrachte Behälter oder kompostierbare Papiertüten ersetzen dort Plastik. Dieser Ansatz setzt allerdings eine gewisse Planung voraus und ist nicht in jeder Region gleich gut zugänglich.
Was Verbraucher tun können
Eine pragmatische Herangehensweise besteht darin, bei häufig gekauften Produkten gezielt nach verpackungsärmeren Alternativen zu suchen. Auch das Einkaufen in größeren Gebinden kann die Menge des anfallenden Verpackungsmaterials pro Kilogramm Lebensmittel deutlich reduzieren. Die Verbindung von Bio-Anbau und durchdachtem Verpackungskonzept ist noch nicht selbstverständlich, wird aber von einigen Herstellern und Händlern zunehmend als Qualitätsmerkmal verstanden.
